Besucher:          Version vom 7.9.2014

Methoden in der Pferdezucht

Im folgenden sollen die verschiedenen Methoden der Pferdezucht genannt und kurz beschrieben werden. Je nach Bereich der Pferdehaltung und Pferdezucht und der kommerziellen Ausrichtung, werden die einzelnen Methoden mehr oder weniger stark eingesetzt. Zucht bedeutet durch gezielte Anpaarung eine Merkmalsverbesserung der Nachkommen in Sinne des Zuchtzieles zu erreichen. Die Reitpferdezucht gewinnt immer stärkeren kommerziellen Charakter. Aus diesem Grund haben sich die angewandten Zuchtmethoden angepasst.

Natursprung

Bedeckung im Herdenverband

Es gibt eine freilaufende Herde in der Natur, die die Vermehrung auf natürlichem Wege regelt. Diese Pferdehaltung ist heute kaum noch anzutreffen. Der Hengst bedeckt die Stuten zum optimalen Zeitpunkt. Durch die ständige Anwesenheit des Hengstes werden die Stuten stimuliert und rossen deutlich. Es kommt zu einer hohen Trächtigkeitsrate.

In einigen Bereichen der Pferdezucht, besonders bei Kleinpferden wird die Bedeckung in der Herde angewendet. Die Stuten werden einige Zeit aneinander gewöhnt bevor der Hengst der Herde zugeführt wird. Auf die Hygiene der Stuten und ihr Gesundheitszustand muß besonders geachtet werden, damit es nicht zur Verbreitung von Krankheiten kommt. Ebenso muß auf die Gesundheit des Hengstes geachtet werden. Die Sicherheit von Hengst und Stute beim Deckakt kann nicht vom Menschen beeinflußt werden, da die Stuten nur vom Hengst gedeckt werden wenn sie hoch rossig sind, ist die Verletzungsgefahr nicht so groß. Besonders für Problemstuten eignet sich diese Form der Pferdezucht.

Sprung aus der Hand

Beim Sprung aus der Hand wird der Hengst von Hengstführer an die rossige Stute geführt und springt unter der Führung des Hengsthalters auf die Stute und bedeckt sie. Die Stute muß vorher am Hengst probiert werden d.h. es ist ein Probierstand vorhanden in den die Stute gestellt werden kann und ein Hengst kann getrennt durch eine Wand oder durch ein Fenster die Stute beriechen und befühlen. Von der Reaktionen und dem Verhalten der Stute kann der Rossegrad abgeleitet werden. In dem Probierstand sind Stute und Hengst aus Sicherheitsgründen durch eine Wand getrennt, sollte die Stute nicht rossig sein, könnt sie nach dem Hengst schlagen und ihn verletzen. Die Stute und auch der Hengst dürfen nicht beschlagen sein, um die Verletzungsgefahr zu verringern. Manchmal wird die Stute mit Stricken ausgebunden, um sie am schlagen zu hindern.

Künstliche Besamung

Der Hengst wird auf einer Stute oder wie heute sehr gängig auf einem Phantom abgesamt. Es sollte eine ruhige Umgebung gefunden w erden, die ausreichend Hygiene bietet. In den modernen Besamungsstationen gibt es einen extra Raum zum Absamen der Hengste mit einem anliegenden Labor. Der Absamraum ist mit rutschfesten Bodenbelag ausgestattet, der gut sauber gehalten werden kann. Während der Zeit des Absamens des Hengstes muß eine rossige Stute im Raum anwesend sein. Es müssen die Vorschriften des zuständigen Tierzuchtamtes eingehalten werden.
Der Hengst der in der Besamung eingesetzt werden soll, muß jährlich untersucht werden und daraufhin eine Besamungserlaubnis erteilt bekommen. Die künstliche Besamung schont die Hengste, Verletzungen während des Deckaktes bei der Stute und beim Hengst werden ausgeschlossen.

Aus einem Ejakulat können mehrere Spermaportionen gewonnen werden. Die Anzahl der Portionen ist abhängig von der Qualität und Quantität des gewonnenen Spermas. Der Samen wird mittels einer künstlichen Scheide gewonnen und im Labor aufbereitet. Eine Nährlösung (Verdünner), um das Sperma länger befruchtungsfähig zu halten, wird hinzugefügt. Der Samen wird unterm Mikroskop untersucht, so wir die Spermaqualität (z.B. Vorwärtsbeweglichkeit) und Quantität bestimmt. Soll der Samen Verschickt werden, wird er in Röhrchen abgefüllt, gekühlt, verpackt und meist mit einem Paketdienst versandt.

Die rossige Stute wird von einem Tierarzt oder staatlich geprüften Besamungsbeauftragten (Besamungswart) besamt. Der Samen wird mit eine Pipette über die Scheide in die Gebärmutter der Stute eingebracht. Vorher sollte die Stute für die Stimulanz und um den Rossegrad festzustellen am Hengst abprobiert werden. Nur eine hoch rossige Stute darf besamt werden. Zu häufiges Besamen der Stute kann den Gesundheitszustand schädigen, der Keimgehalt in der Gebärmutter nimmt zu. Der Gesundheitszustand der Stute ist wichtig für den Erfolg der Besamung und sollte bei jeder Stute überprüft werden (z.B. Tupferproben).

Vorteile der künstlichen Besamung sind unter anderem die Möglichkeiten das Sperma über weite Strecken und ins Ausland zu vertreiben und der Einsatz von Tiefgefriersperma über den Tod des Hengstes hinaus. Die Übertragung von Krankheiten kann mit der Anwendung der Besamung verringert werden. Kommerziell gesehen können von einem Hengst mehr Stuten besamt werden. Betriebswirtschaftlich muß aber eine gewisse Nachfrage bestehen, damit sich der Aufwand für die künstliche Besamung rentiert.

Besamung mit Frischsamen

Der Samen wird mit einem Frischsamenverdünner versetzt und sollte einen Tag nach Gewinnung beim Züchter sein, oder sofort zur Besamung benutzt werden. Je ovulationsnäher besamt wird, um so größer ist die Erfolgschance. Bei gutem Management der Besamung, guter Hygiene und Erfahrung kann sogar eine höhere Trächtigkeitsrate als beim Natursprung erreicht werden. Allerdings eignen sich nicht alle Hengste für die künstliche Samenübertragung. Auch Stuten die empfindlich oder allergisch auf Spermazusätze reagieren sind nicht geeignet.

Besamung mit Tiefgefriersamen

Bei der Besamung mit Tiefgefriersperma (TG) wird das Sperma gewonnen und im Labor bearbeitet, wobei eine Art Frostschutz dem Sperma hinzugefügt wird. Weiterhin wird das Sperma zentrifugiert, um eine höhere Samenkonzentration zu erhalten die besser zu konservieren ist. Nun wird das Sperma in Mikroröhrchen abgefüllt (dazu gibt es spezielle Maschinen) und langsam heruntergekühlt. Dauerhaft gelagert wird das TG in Behältern mit flüßigem Stickstoff bei einer Temperatur von -196°C. Monatlich müssen diese Stickstoffbehälter kontrolliert und aufgefüllt werden. Vor dem Besamen der Stute wird das TG aufgetaut und in die Gebärmutter eingebracht. Um erfolgreich TG einzusetzen, muß sehr ovulationsnah besamt werden. Es erfordert eine sehr große Sorgfalt und genaue Untersuchung der Stute. Die Trächtigkeitsrate liegt weit unter den Raten der anderen Methoden. Nur Hengste mit sehr qualtitätsvollem Sperma, welches sich gut einfrieren lässt, eignen sich zu Herstellung von TG.

Embryotransfer

Embryotransfer ist eine umstrittene Zuchtmethode. Eine befruchtete Eizelle der Mutterstute wird einer Leihmutter eingepflanzt. Die Leihstute muß im gleichen Geschlechtszyklus sein wie die Mutterstute. Diese Methode ist sehr aufwändig und mit geringen Erfolgsraten gekennzeichnet.

Der Embryotransfer biete die Möglichkeit, aus im Pferdesport stark eingesetzter Stuten, Nachkommen zu erhalten.

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